Fachwissen und Trost per Telefon

AZ-Artikel vom 29.04.2020

Andrea Averesch „allein zu Haus“: Im Studio des mobile herrscht zurzeit gespenstische Stille – das DJK-Team nutzt aber die Zeit, telefonisch mit den Mitgliedern in Kontakt zu bleiben. Foto: Frank Wittenberg

Von Frank Wittenberg
Coesfeld. An die neue Atmosphäre kann sie sich nur schwer gewöhnen. Wo sonst von morgens bis spät in den Abend Trubel herrscht, legt sich eine gespenstische Ruhe über den großen Raum. Stillstand ist angesagt im mobile – im wahrsten Sinne, denn an den Fitnessgeräten geht seit mehr als sechs Wochen nichts mehr. Ganz alleine sitzt Andrea Averesch im Studio der DJK Coesfeld-VBRS und hält doch die Verbindung nach draußen. „Viele unserer Mitglieder vermissen das sehr“, weiß sie aus Erfahrung. „Den körperlichen Einsatz, aber auch einfach den Kontakt.“

Weil der Betrieb ruhen muss, bietet das mobile-Team seit gut drei Wochen regelmäßige Sprechstunden an, in denen sich die Mitglieder mit ihren Fragen melden können. „Wir rufen aber auch selbst bei ihnen an und erkundigen uns, wie es ihnen geht“, erzählt Andrea Averesch, die an diesem Vormittag den Dienst übernommen hat. Und dieses Angebot nehmen die Gesundheits- und Rehasportler sehr gerne wahr. Denn so gehe die Begleitung „aus der Ferne“ über die Übungen hinaus, die den Mitgliedern üblicherweise bekannt seien: „Wir können auch individuelle Trainingspläne zuschicken und Übungen besprechen, die bei bestimmten Symptomen Sinn machen.“ Und das sei mit dem Fachwissen der DJK/VBRS-Mitarbeiter gewiss besser als diverse Videos hipper Youtube-Anbieter.

Einige ausgewählte Clips haben die Eintrachtler auch auf ihre Homepage gestellt – ob „Wohnzimmerfitness“ oder „Faszientraining“ für die Fitteren sowie „Brainfitness“ oder „Übungen für Hochbetagte“, für alle Altersklassen ist etwas dabei. „Wir haben auch Mitglieder, die zwischen 85 und 90 Jahre alt sind“, weiß Andrea Averesch als Leiterin des MiA-Programms (Mobil im Alter). Da werde schon einmal die gute alte Videokassette eingeschoben, um auf Trab zu bleiben. Ein Paar habe sich kurzerhand ein Fitnessstudio im heimischen Wintergarten eingerichtet – „wir haben auch einige tolle Rückmeldungen erhalten.“

All das könne natürlich das Training vor Ort an den Geräten und unter Anleitung nicht ersetzen, betont Andrea Averesch: „Es geht ja auch darum, ob die Übungen richtig und mit der entsprechenden Intensität ausgeführt werden.“ Umso wichtiger sei es im DJK-Team, sich schon jetzt Gedanken über eine mögliche Wiedereröffnung des Sport- und Gesundheitszentrums mobile zu machen. Über verschiedene Zeitfenster, mit Anmeldungen, Abstand und in kleinen Gruppen, blickt sie voraus. Wenn erste Schritte wieder möglich seien, werde es darauf ankommen, den Sportbetrieb im Rahmen der Möglichkeiten umgehend wieder anlaufen zu lassen: „Es geht um die Gesundheit der Menschen.“

Bis dahin bleibt nur der Kontakt per Mail oder Telefon. Die Digitalisierung wird in der Zwischenzeit vorangetrieben, die alten Hängeregister haben ausgedient – mit den Mappen, die als Wink des Schicksals vom Hersteller „Corona“ stammen, „was uns erst jetzt aufgefallen ist.“ Und über allem steht die Hoffnung, bald wieder zur Normalität zurückkehren zu können.

Was Andrea Averesch und das Team beeindruckt, ist der Zusammenhalt in der DJK-Familie mit den rund 800 Studio-Nutzern und etwa 3600 Mitgliedern insgesamt in der Gesundheits- und Rehasportabteilung. Den Beitrag hat die DJK-VBRS wegen des Corona-Lockdowns auf 20 Prozent reduziert. „Dennoch möchten etliche Mitglieder den vollen Betrag zahlen“, freut sie sich. „Die Solidarität im Verein ist riesengroß.“ 7 Sprechstunden im mobile: montags in der Zeit von 9 bis 11 Uhr, dienstags von 14 bis 16 Uhr, mittwochs von 17 bis 19 Uhr, freitags von 14 bis 16 Uhr; jeweils unter Tel. 02541/8873315 oder per Mail info@djk-coesfeld.de.