Alkohol im Sportverein

alkoholfreisportgeniessenkleinMit dem Thema "Alkohol in unserem Sportverein" hat sich seit 2006 eine Arbeitsgruppe (mit Clemens Lembeck, Willi Twent und Bernd Sander) befasst.

Die Arbeitsgruppe (AG) hat Ende 2007 dem geschäftsführenden Vorstand einen Abschluss bericht vorgelegt, in dem die Vorgehensweise, die Aktionen und Vorschläge für das weitere Vorgehen unterbreitet wurden.

Vorgehensweise

Zunächst hat die AG Informationen eingeholt und dazu folgende Quellen genutzt:

  • einschlägige Fachzeitschriften
  • das Internet
  • andere Sportvereine am Ort und in der näheren Umgebung
  • Westdeutscher Fußball- und Leichtathletikverband
  • DJK-Bundesverband
  • Deutscher Sportbund
  • Gespräche mit Einzelpersonen im eigenen Verein
  • Beobachtungen des Geschehens im eigenen Verein
  • Fachstelle für Suchtprävention beim Caritas-Verband Coesfeld
  • Dr. Hubert Gerleve, Chefarzt der Kinderabteilung des St.-Vincenz-Hospital Coesfeld

Diese Quellen wurden anschließend ausgewertet, wobei Fachzeitschriften und das Internet wertvolle Informationen zum Thema „Alkohol" gaben, spezielle Informationen zum Umgang mit Alkohol in einem Sportverein enthielten sie allerdings nicht. Andere Sportvereine wichen dem Thema aus (Tabu-Thema) oder sahen keine Notwendigkeit, sich damit zu befassen (sarkastischer Hinweis in einem Einzelfall: „ihr scheint es ja notwendig zu haben".

Der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletik-Verband besaß keinerlei Informationen zu dem Thema; er verwies lediglich auf eine Mitarbeiterin in einem Sportverein im Ruhrgebiet, die als Informationsquelle auch nicht sehr ergiebig war.

Der DJK-Bundesverband verwies auf die DJK-Jugendvertretung, die auch nur allgemeine Informationen hatte und auf Einzelaktionen verwies, die im Rahmen der Aktion „Kinder stark machen" durchgeführt worden waren; ein durchgängiges Konzept gab es auch hier nicht.

Der Deutsche Sportbund schickte Info-Broschüren (u.a. zu der vorgenannten Aktion), die wichtige allgemeine Informationen enthielten, aber keine Informationen spezieller Art. Er nannte außerdem als Kontaktadresse den Namen eines Jugendtrainers in einem Fuldaer Sportverein, der hauptberuflich als Suchtberater tätig ist; auch er sucht nach einem geeig­neten Konzept und steht vor den gleichen Schwierigkeiten wie wir.

Bei Gesprächen im eigenen Verein erhielten die AG viel Zustimmung (u.a. auch von Eltern von Jugendlichen); in etlichen Fällen war allerdings auch Zurückhaltung erkennbar und einer sprach es deutlich aus „ihr wollt uns doch nicht etwa generell das Trinken von Al­kohol verbieten!".

Nach Beobachtungen im eigenen Verein gehört Alkohol zum festen Bestandteil des Vereinslebens! Ausgeschenkt wird  Alkohol in der Mühle, im Tennisheim, bei einigen Veranstaltungen, in Kiosken und selbstverständlich bei Vereinsfesten.

Unabhängig von den vorgenannten Ausschankstellen wird Alkohol mitgebracht in Flaschen und Kisten sowohl zum Training als auch zu sportlichen Veranstaltungen. Getrunken wird Alkohol nicht nur in den vorgenannten Ausschankstellen sondern auch auf und in Sportstätten und in Umkleiden (teilweise auch in aller Öffentlichkeit).

In Mannschaftssportarten ist es üblich, auch diejenigen zu animieren, die sonst wenig oder überhaupt nicht Alkohol trinken (das gilt auch für den Bereich der Jugendlichen ab etwa 14/15 Jahren).

Von der Fachstelle für Suchtprävention (Ansprechpartner Frau Nachbar und Herr Dr. Pohl) erhielt man wichtige Informationen und Beratung im Hinblick auf das Vorgehen in unserem Sportverein; sie standen uns ständig als Ansprechpartner zur Verfügung.

wichtigste Vorschläge:

  • so gut es geht, Situation im Verein feststellen
  • auf die Situation abgestellte präventive Maßnahmen ergreifen
  • möglichst nicht mit Verboten arbeiten, da Verbote sich erfahrungsgemäß nicht bewährt haben, nicht ausreichend kontrolliert und kaum mit wirksamen Sanktionen belegt werden können.

zu möglichen präventiven Maßnahmen:

  • das Thema so breit wie möglich in den Verein hineintragen
  • soviel Akteure wie möglich gewinnen, die mithelfen können, vorbeugend zu wirken
  • den Akteuren den „Rücken stärken" (z.B. durch schriftliche Hinweise und eine ent­sprechende Vereinphilosophie)
  • Öffentlichkeit herstellen.

Bisherige Aktionen

  • Informieren über und werben für das Thema einschließlich Mitwirkung an dem Thema
  • in Delegiertenversammlungen und in mehreren Hauptvorstandssitzungen - hier u.a. unter Mitwirkung von Frau Nachbar und Herrn Dr. Pohl -
  • viele Einzelgespräche mit Vereinsmitgliedern
  • Information der Öffentlichkeit (und damit auch aller Vereinsmitglieder und insbesondere Eltern von Jugendlichen) über unser gemeinsames Vorhaben
  • Information in unserer Vereinszeitschrift
  • erarbeiten von Vorschlägen für präventive Maßnahmen.

Vorschläge der Arbeitsgruppe:

  • Grundsatzbeschluss fassen, der als Basis und Leitlinie dient
  • Vereinbarungen abschließen mit allen Verantwortung tragenden Akteuren im Verein (Vorstand, Abteilungsleiter und deren Stellvertreter, Trainer, Übungsleiter, Betreuer).
  • Das Themas sollte einmal jährlich im Rahmen eines Erfahrungsaustausches behandelt werden in allen Abteilungen, auf der Delegiertenversammlung und im GV und HV.

Mit dem Abschlussbericht legte die AG Vorschläge für den Grundsatzbeschluss und die Vereinbarung vor, die vom Hauptvorstand und Geschäftsführenden Vorstand der Delegiertenversammlung zur Beschlussfassung empfohlen wurden.

Die Delegiertenversammlung hat am 31.03.2008 einstimmig folgenden Grundsatzbeschluss gefasst.

Beschluss zum Umgang mit Alkohol in unserem Sportverein

Alkohol ist in der Gesellschaft weitgehend als Genussmittel akzeptiert. Er wird als belebend oder beruhigend, seltener als „bedrohend" empfunden.

Im Bewusstsein der Unverträglichkeit von Sport und Alkohol und der Gefahren, die vom zu frühen und/oder übermäßigen Alkoholkonsum ausgehen, sind sich alle Verantwortung tragenden Personen in unserem Verein, insbesondere im Hauptvorstand und in den Abteilungsvorständen, einig in dem Bemühen, dass unsere jungen Vereinsmitglieder lernen sollten, durch Verzicht und Mäßigung verantwortungsbewusst mit Alkohol umzugehen. Erwachsene sollten das stets mit gutem Beispiel vorleben.

Wir wissen, jeder weiß es:

  • Alkohol mindert die Leistungsbereitschaft und die Leistungsfähigkeit
  • Sport und Alkohol sind unvereinbar
  • Alkohol hat auch ein „hässliches Gesicht" , die Abhängigkeit.

Vor diesem Hintergrund beschließen wir verpflichtend für alle Sportlerinnen und Sportler in allen Abteilungen und bei allen Aktivitäten unseres Vereins (Training, Wettkampf, geselliges Beisammensein) diese Vereinbarungen:

Wir dulden...

  • ...keinen Alkohol für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren.
  • ...keine harten Alkoholika (branntweinhaltige Getränke) für Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren.
  • ...keinen Alkohol von Sportlern aller Altersklassen während der Trainings- und Wettkampfzeiten.
  • ...keine Trinkgelage auf oder in Sportstätten einschließlich Umkleiden.

Wir befürworten und fördern...

  • ...den bewussten und persönlichen Verzicht auf Alkohol.
  • ...die bewusste persönliche und mannschaftliche Punktnüchternheit vor Training und Wettkampf.
  • ...nur den mäßigen und verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol bei Anlässen zur Förderung des Gemeinschaftslebens (Jugendliche ausgenommen).

VEREINBARUNG
zum Umgang mit Alkohol in unserem Sportverein

Im Bewusstsein, dass

  • Alkohol zwar in der Gesellschaft als Genussmittel akzeptiert ist
  • Alkohol und Sport miteinander nicht vereinbar sind
  • Kinder und Jugendliche wegen erheblicher gesundheitlicher Gefahren keinen Alkohol trinken dürfen (siehe Jugendschutzgesetz)
  • wir als Verein Verantwortung tragen für den Umgang mit Alkohol in unserer Gemeinschaft

gebe ich folgende verbindliche Erklärung ab:

Zwischen mir und dem Sportverein DJK-VBRS Coesfeld wird vereinbart, darauf zu achten, dass bei allen sportlichen und geselligen Anlässen unseres Vereins - Training, Wettkampf, Freizeit -

Kinder und Jugendliche bis zu 16 Jahren keinen Alkohol erhalten, mit­bringen und/oder trinken

Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren keine harten alkoholischen Getränke erhalten, mitbringen und/oder trinken

Erwachsene ihrer Vorbildfunktion gerecht werden und allenfalls mäßig und verantwortungsbewusst mit Alkohol umgehen

Coesfeld, den...

(Unterschrift)                                                             
Vors. DJK-VBRS Coesfeld

Der DOSB - Deutsche Olympische Sportbund hat 2011 eine Initiative zum Thema "Alkoholfrei Sport genießen" in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung gestartet.

Es wurde hierzu auch eine Extra-Seite www.alkoholfrei-sport-geniessen.de erstellt. Diese ist mit wichtigen Infos zum Umgang mit Alkohol ausgestattet.

Inhalte einer Aktionsbox zum Thema (u.a. Trinkbecher,Cocktailshaker, Bälle, Kugelschreiber, T-Shirts, Rezepte für Cocktails, Informationen für Vereinsverantwortliche sowie Ratgeber für Eltern) liegen in unserer DJK-Geschäftsstelle "Reiningmühle" zur Mitnahme aus.

Pressemitteilung vom 19.09.2011

DOSB und BZgA starten Aktion "Alkoholfrei Sport genießen"

19.09.2011

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) haben die Aktion „Alkoholfrei Sport genießen“ gestartet.

Elisabeth Pott und Thomas Bach gaben den Startschuss zur Kampagne "Alkoholfrei Sport genießen". Foto: BZgA

Auch Trimmy war beim Kampagnenstart im Deutschen Sport & Olympia Museum dabei. Foto: DOSB Von September 2011 bis Dezember 2012 sind alle Sportvereine in Deutschland aufgerufen, sich mit alkoholfreien Sportwochenenden, Turnieren oder anderen Veranstaltungen an der Aktion zu beteiligen. Auf diese Weise können sie ein Zeichen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol setzen. Den Startschuss für die Initiative gaben DOSB-Präsident Thomas Bach und BZgA-Direktorium Prof. Dr. Elisabeth Pott am heutigen Montag im Kölner Sport- und Olympiamuseum.

„In Deutschland wird oft zu viel und zu unkritisch Alkohol getrunken und dabei vergessen, dass Alkohol ein Suchtmittel mit hohem Abhängigkeitspotenzial ist. Besonders auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wirkt sich das Zellgift schädlich aus. Deshalb unterstützen wir Heranwachsende frühzeitig darin, einen kritischen Umgang mit Alkohol zu lernen“, sagte Prof. Dr. Pott bei der Auftaktveranstaltung. Für die Präventionsarbeit der BZgA sind Sportvereine wichtige Partner, da über sie viele Kinder und Jugendliche, ihre Mütter und Väter, aber auch Trainer, Übungsleiter und Betreuer erreicht werden können. „Durch die Zusammenarbeit mit dem DOSB gewinnen wir Vereine in ganz Deutschland für unsere Aktion und fördern so ihr aktives Engagement gegen Alkoholmissbrauch.“

BZgA und DOSB kooperieren seit vielen Jahren in der Alkohol- und Tabakprävention, etwa in den BZgA-Kampagnen „Kinder stark machen“, „rauchfrei“ und „Alkohol? Kenn dein Limit“. Die Initiative „Alkoholfrei Sport genießen“ bietet eine weitere Plattform in gemeinsamer Verantwortung, auf die Risiken übermäßigen Alkoholkonsums hinzuweisen. DOSB-Präsident Thomas Bach, der die Schirmherrschaft für die Aktion „Alkoholfrei Sport genießen“ übernommen hat, erklärte: „Mit der Aktion macht sich der DOSB ein weiteres Mal im Kampf gegen Alkoholmissbrauch in Deutschland stark. Damit stellt sich der organisierte Sport seiner gesellschaftlichen Verantwortung, schließlich sind rund 70 Prozent aller jungen Menschen zumindest vorübergehend in einem Sportverein aktiv. Im Verein können sie wichtige Fähigkeiten und Eigenschaften wie Teamgeist, Belastbarkeit und Durchsetzungsfähigkeit erlernen, die langfristig auch suchtvorbeugend wirken. Mehr noch: Die Trainerinnen und  Trainer und Betreuerinnen und Betreuer sind Vorbilder für Kinder und Jugendliche, auch in Bezug auf den Konsum von Alkohol.“

Alkohol ist das am weitesten verbreitete Suchtmittel in Deutschland, bei Erwachsenen ebenso wie bei Kindern und Jugendlichen. Im Durchschnitt trinkt jeder Deutsche 10 Liter Alkohol pro Kopf und Jahr. Eine aktuelle repräsentative Studie der BZgA zeigt außerdem, dass 17 Prozent der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen mindestens einmal im Monat mehr als fünf alkoholische Getränke bei einer Gelegenheit konsumieren, d.h. das sogenannte Rauschtrinken praktizieren. Die meisten von ihnen dürften dem Jugendschutzgesetz zufolge noch gar keinen Alkohol trinken.

Die BZgA unterstützt interessierte Vereine bei der Teilnahme an der Aktion. Auf der Internetseite www.alkoholfrei-sport-geniessen.de können sie eine kostenlose Aktionsbox anfordern, die unter anderem ein Werbebanner, T-Shirts, Informationsmaterialien, das Jugendschutzgesetz als Poster, einen Cocktail-Shaker und Rezepthefte für alkoholfreie Cocktails enthält. Außerdem erhalten Vereine auf der Internetseite vielfältige Ideen und Tipps für die Gestaltung einer eigenen Aktion zum Thema „Alkoholfrei Sport genießen“. Bei Fragen hilft außerdem ein Infotelefon weiter: 06173 – 78 31 97 (Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr). Unter allen teilnehmenden Vereinen werden pro Jahr fünf Gutscheine für Sportausrüstungen im Wert von jeweils 500 Euro verlost.

Zusätzliche Informationen